04.02.2017

Mareks Meller Mutprobe

Treten, Schlagen und Würgen in Meller Kampfsportschule Houlali

Melle. „So wild wird das schon nicht“, dachte ich mir und steckte mir noch eine Zigarette vor dem Training an. Noch nie in meinem Leben habe ich mein Laster so bereut wie an diesem Tag. Mein Selbstversuch in der Meller Kampfsportschule Houlali.

Unser Reporter Marek Majewsky ist Hobbykampfsportler und stellt sich in diesem Winter einer besonderen Mutprobe: Er testet das Training von vier verschiedenen Kampfsportvereinen und berichtet einmal die Woche über seine Erfahrungen.

Ein stechender Schmerz schießt in meine Lunge und ich spüre förmlich jedes Mikrogramm Teer, das meine Lungenbläschen verklebt. Die Waden brennen, als stünden sie in Flammen und in meinem Magen macht sich das Eibrötchen bemerkbar, dass ich vor wenigen Stunden gegessen habe. „Nicht kotzen, Marek. Bloß nicht kotzen!“ An etwas anderes kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr denken, dabei habe ich gerade einmal die Hälfte des Trainings hinter mir.

Das Shirt auswringen

Mixed Martial Arts, zu Deutsch „Gemischte Kampfkünste“ heißt der Sport, der sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut. „MMA ist die Königsklasse, in der fast alles erlaubt ist“, erklärt mir Marius Houlali. Er ist Inhaber der Kampfsportschule Houlali (KSS) , der Ort, der mir meine Grenzen zeigen wird. Fast alles erlaubt heißt: der Gegner darf geschlagen, getreten, geworfen, gehebelt und gewürgt werden.

Am ersten Tag steht Kickboxen auf dem Programm. Eine der Grundlagen des MMA. „Ich hab da einen 17-Jährigen für dich, wenn du an dem vorbei kommst, kannst du dich bei mir melden“, scherzt Houlali. Was ich erst nach dem Training erfahre: Der 17-jährige Hamsah kämpft bald bei der Europameisterschaft im Kickboxen. Ein unbezwingbarer Gegner also, mal ganz davon abgesehen, dass ich bereits nach dem „Aufwärm“-Training nicht mehr in der Lage bin, zu kämpfen.

Meine Muskeln zittern

Mein T-Shirt könnte ich bereits nach einer halben Stunde auswringen, so durchgeschwitzt bin ich. Die kurzen Pausen zwischen den Übungen wären der Himmel auf Erden, würden meine Muskeln nicht zittern wie Espenlaub im Wind, sobald ich aufhöre, mich zu bewegen.

Der Trainer steht schon wieder vor der Gruppe und kündigt den nächsten Kraftakt an: eine Schlag-Tritt-Kombination.

Nach knapp anderthalb Stunden ist das Training fast vorbei. Zum Abschluss werden Übungskämpfe ausgetragen. Zu meinem Glück sind die anderen auch ausgelaugt und Hamsah wird von seinem Trainer gebeten „ganz entspannt“ zu kämpfen. Trotzdem muss ich mehrere Kopftreffer einstecken.

Stolz darauf, dass sich mein Mageninhalt nicht entleert hat, verlasse ich das Dojo.

Würger und Hebel

Als ich am nächsten Tag aus dem Bett springe, verliere ich fast den Halt. Der Muskelkater in meinen Waden ist so stark, dass sie mein Gewicht kaum tragen können. Dennoch raffe ich mich abends wieder auf und gehe ins Dojo.

MMA üben in der KSS deutlich weniger Sportler aus als Kickboxen, weil Bodenkampf dazu gehört, den viele lieber meiden. Ich nicht. Und schaffe es tatsächlich, dieses Mal mitzuhalten.

Das liegt zum einen daran, dass das Aufwärmtraining seinem Namen gerecht wird und nicht schon im Vorhinein zum K.O. führt, zum anderen ist der Bodenkampf deutlich technischer und damit nicht ganz so anstrengend. Wir üben verschiedene Würger und Hebeltechniken, die später im Ring mit Schlägen und Tritten kombiniert werden.

Beim Kämpfen am Boden merke ich schnell, dass Kraft und Ausdauer durch geschickte Techniken ausgeglichen werden können.

Fazit:

Ein Sport, der alles abverlangt. Technik, Geschicklichkeit, Ausdauer, Kraft und Konzentration. Auch als Selbstverteidigung ist er sehr gut geeignet, allein weil alle Distanzen berücksichtigt werden. Ich versuche nicht, mit komplizierten Techniken die Kraft meines Gegners umzuleiten, sondern entwickel automatisch ein Gespür dafür, wann ich ausweichen muss und wann ich zuschlagen kann. Die KSS ist der perfekte Ort, für jeden, der sich mehr als einer Herausforderung stellen will. Mut braucht man übrigens beim ersten Mal nicht. Jeder Neuling wird freundlich aufgenommen. Mut braucht man, um nach dem ersten Training wiederzukommen.

Quelle: noz - ein Artikel von Marek Majewksy